Personalbemessung

Neuberechnung mit Augenmaß

Stellenbemessung

Zahl der Wochenstunden in Schulsekretariaten erhöht

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Sie haben diskutiert, gerechnet, beobachtet und aufgelistet. Sie haben für ihr Anliegen beim Schulamt geworben – und immer wieder argumentiert. Der Lohn der Mühe: Eine Aufstockung der Zahl der Wochenstunden. Dass dies gelungen ist, sei vor allem den engagierten Kolleginnen und Kollegen in den Schulsekretariaten zu verdanken, die einfach nicht locker ließen, sagt Personalrätin Monika Reuschenbach.

In Sachen Stellenbemessung für Schulsekretariate setzt Oberhausen seit Jahren Zeichen. Hier wurde das so genannte Oberhausener Modell entwickelt, das sich andere Kommunen zum Vorbild nahmen wie Konstanz. Das Oberhausener Modell setzt bei der Personalbemessung auf Sockelstunden, die sich aus den Verwaltungsaufgaben ergeben, die im Schulsekretariat regelmäßig anfallen. Daneben gibt es Bausteine, die auf die unterschiedlichen Schultypen abzielen. Oder aber auf besondere Aufgaben, die eine Schule zu bewältigen hat. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die eine Schule zählt, ist ein Faktor, der in die Berechnung der Wochenstunden für die Beschäftigten im Schulsekretariat einfließt. Im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen ist diese Zahl aber nicht mehr ausschlaggebend.

Schon als dieses Modell um die Jahrtausendwende entwickelt und 2003 vorgestellt wurde, war vereinbart worden, dass es angepasst wird. Der Gedanke, der dahintersteckt: Die Schullandschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Die Aufgaben einer Schulsekretärin haben sich geändert. Längst ist es nicht mehr damit getan, dass Pflaster auf Kinderknie geklebt und tröstende Worte gesprochen werden. Die Schulsekretarin war bereits zum Ende des vergangenen Jahrhunderts mehr Organisatorin als Trösterin, mehr Verwaltungsangestellte als Schreibkraft. Kein Wunder, dass die Schulsekretärinnen deshalb schon damals darauf drangen, dass genau hingeschaut wird, wie der Alltag der Schulsekretärin inzwischen aussieht. Schon damals waren sie sich sicher: Die Zahl der Schülerinnen und Schüler allein darf nicht darüber entscheiden, wie viele Wochenstunden einer Schulsekretärin zugestanden werden. Weil es – was viele der Arbeiten betrifft, die eine Schulsekretärin hat – nicht viel Unterschied macht, ob eine Schule zum Beispiel 300 oder 350 Schülerinnen und Schüler zahlt.

Das System aus Sockel und Bausteinen war in Oberhausen gut angenommen. „Das System ist transparent und nachvollziehbar“, weiß Reuschenbach. Die Schulsekretärinnen fühlten sich auch gerecht beurteilt. Abgesehen von der fehlenden Überarbeitung. Denn seit der Einführung des Systems haben die Aufgaben der Schulsekretariate sich wiederum geändert. Es gibt immer mehr Ganztagsschulen, muttersprachlichen Unterricht, selbstständige Schulen, soziale Brennpunkte, Schulen, die Inklusion anbieten, noch mehr Arbeitsgruppen, teilweise gar Schulessen. In Grundschulen geht es um Analyse der Sprachfähigkeit der Schülerinnen und Schüler, also um Sprachstandsfeststellungen. Oder das Bildungs- und Teilhabepaket, das die frühere Bundesregierung auf den Weg gebracht hat. Immer sind auch die Beschäftigten der Schulsekretariate mit an Bord, wenn  es um die Bewältigung all der Aufgaben geht, die Jahr um Jahr dazukommen.

Nicht länger warten auf bessere Zeiten

Warum darauf verzichtet wurde, das Modell zu überarbeiten? Vielleicht weil Oberhausen seit Jahren klamm ist. Inzwischen steckt Oberhausen in der Dauerkonsolidierung, derzeit unterliegt die Stadt einem Haushaltssicherungskonzept. Sparen gehört einem Vierteljahrhundert zum Alltag.

Doch dann wollten die Schulsekretärinnen nicht mehr länger auf bessere Zeiten warten. Sie wandten sich an den Personalrat, der die Überarbeitung ins Rollen brachte. Dann begann wieder das schon bei der Einführung des Modells bekannte Prozedere: Alle wurden an einen Tisch geholt – Vertreter der Verwaltung, der Gleichstellungsstelle, des Personalrates und Vertreterinnen der Schulsekretariate aller Schultypen. Schulsekretariate aus Sonderschulen wie Förderschulen oder Berufskollegs waren darunter, von Gymnasien, von Grundschulen, von Gesamtschulen.

Der Grund dafür, dass so viele Schulsekretärinnen einbezogen wurden, liegt auf der Hand: Sie sind die Experten. Sie wissen genau, welche Besonderheiten einer Schule welchen Arbeitsaufwand im Schulsekretariat nach sich ziehen. Und auch diesmal zeigte sich: Die Ansätze der Betroffenen sind alles andere als utopisch. „Der Arbeitsaufwand wurde immer sehr realistisch eingeschätzt“, erinnert sich Reuschenbach.

Und auch die Vorgehensweise war gleich. Es wurde genau unter die Lupe genommen, wie viel Zeit tagein, tagaus für Verwaltungsarbeit anfiel. Und es wurde genau aufgelistet, wie viel Zeit welcher Baustein benötigt.

Knapp ein Jahr brauchte das Team, um das Oberhausener Modell zu überprüfen. Das Ergebnis: An dem Modell selbst wird nicht gerüttelt. „Es hat sich bewährt“, weiß Reuschenbach. Alle sind zufrieden – Schulleiter, Verwaltung und vor allem die Schulsekretärinnen. Aber einzelne Punkte wurden verändert – eben an die neuen Verhältnisse, an die neuen Aufgaben angepasst. Insgesamt gesehen stiegen die Wochenstunden von 2052 auf 2229. Schon bei der Einführung des Modells gab es nur eine Schule – nämlich eine Gesamtschule -, die letztendlich mit weniger Stunden für das Schulsekretariat aufkommen musste, alle anderen bekamen mehr Stunden zugestanden.

Mehr Stunden heißt auch mehr Geld – für die Schulsekretärinnen und für die Stadt. „Mit Blick auf unsere Haushaltssituation ist der Verwaltung die Erhöhung nicht leichtgefallen“, sagte   ein Vertreter der Stadtverwaltung im Zusammenhang mit der Neuberechnung. Gleichzeitig aber spricht er auch von Veränderungen, denen Rechnung getragen werden müsse. Und die  Neuberechnung selbst erfolgte seiner Ansicht nach mit Augenmaß. Übrigens: Auch der Personalrat äußert sich erfreut über die produktive Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Personalrat und Schulsekretärinnen.

Woran lag es nun, dass das arme Oberhausen wieder in Sachen Stellenbemessung voran geht? „Weil sich die Kolleginnen so engagiert haben“, meint Reuschenbach. Weil sie aktiv mitgemacht haben, nicht locker ließen, realistische Forderungen stellten – immer mit Augenmaß, aber immer auch bestimmt. Weil sie signalisiert haben, dass ihnen die Neuberechnung sehr wichtig ist. Und mit Nachdruck darauf bestanden, dass ihr Anliegen nicht auf die lange Bank geschoben wird.