Personalbemessung

Herford: Viel zu wenig Stellen

Peronalbemessung - Neue Modelle

Herford: Viel zu wenig Stellen

Rechnung der Schulhausmeisterinnen und Schulhausmeister belegt: Sie sind gravierend unterbesetzt
Herford ver.di Herford

Die Schulhausmeisterinnen und Schulhausmeister in Herford (Nordrhein-Westfalen) ahnten es längst. Doch erst eine detaillierte Analyse, die die Kolleginnen und Kollegen erstellt haben, macht es deutlich: In Herford gibt es viel zu wenig Schulhausmeisterinnen und Schulhausmeister. Statt gut 17 Vollzeitstellen wie derzeit, müssten es 44 Stellen sein. Die Schulhausmeisterinnen und Schulhausmeister wollen – zusammen mit ver.di – nun nicht mehr locker lassen: „Die Arbeitsbelastung kann nur vermindert werden, wenn mehr Stellen geschaffen werden“, betont ver.di-Sekretär Siegfried Woehler.

Die Analyse, die im Rahmen des ver.di-Projekts in Herford erstellt und im Sommer 2011 präsentiert wurde, ist erstes Ergebnis der Arbeitsgruppe. Im Herbst 2010 hatte sie sich gegründet. Das Hauptthema: die Stellenbemessung der Schulhausmeisterinnen und Schulhausmeister. Denn kaum ein Schulhausmeister, kaum eine Schulhausmeisterin, die nicht über die gängige Stellenbemessung stöhnt. In der Regel wird die Fläche als Basis genommen, die die Schulhausmeisterin oder der Schulhausmeister zu betreuen hat. Nach wie vor gibt es auch Bereitschaftszeiten – obwohl die europäische Rechtsprechung Bereitschaftszeiten als Arbeitszeiten eingruppiert hat.

Die Fläche ist keine Bewertungsgrundlage – sind sich Schulhausmeisterinnen und Schulhausmeister sicher. Auch die Zahl der Klassenzimmer oder die Zahl der Schülerinnen und Schüler nicht. Jedenfalls nicht als alleiniger Maßstab. Seit Jahren pochen Schulhausmeisterinnen und Schulhausmeister darauf, dass die Bemessungsgrundlage geändert wird. Mehr noch: Schulhausmeisterinnen und Schulhausmeister wie die Kolleginnen und Kollegen in Herford bezweifeln, dass das bisherige Tarifrecht geeignet ist, den tatsächlichen Arbeitsanfall zu erfassen. „Der Ganztagsbetrieb Schule bedingt die Inanspruchnahme der Schulhausmeister über den gesamten Zeitraum des Schulbetriebs und der  Zeiten für die außerschulische Nutzung“, argumentieren sie. Ergo: Es gilt eine Wochenarbeitszeit von 39 Stunden. Deshalb müssten verstärkt Schichtmodelle und Teamlösungen gefunden werden.

Für die Berechnung des Stellenbedarfs favorisieren die Schulhausmeisterinnen und Schulhausmeister in Herford einen Ansatz, den sie selbst jüngst entwickelt haben – nämlich den Ansatz zum Substanzwerterhalt. Er basiert auf vier beziehungsweise fünf Daten: Anzahl der Schüler, Anzahl der Klassenräume, Bruttogeschoßfläche des Gebäudes und die Nutzerzeiten. Die fünfte Komponente beinhaltet einen Zeitaufschlag für die Zeiten des Urlaubes, Krankheit sowie Aus- und Fortbildung.

In der Folge haben die Schulhausmeisterinnen und Schulhausmeister ihre Berechnung der Stellenbemessungskalkulation mit der Berechnung der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGST) und der Stellenbemessung nach dem Modell der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) mit dem Ist-Zustand in Herford verglichen. Das Ergebnis: Wenn die Stellen nach dem KGST-Modell berechnet werden, wären fast 45 Stellen notwendig, nach der GPA sind es fast 46 Stellen und nach dem Berechnungsmodell  der Schulhausmeisterinnen und Schulhausmeister sind es nur gut 37 Stellen. Erschreckend dagegen die Zahl der Vollzeitstellen an den 20 Schulen in Herford von exakt 17,52. Kein Wunder, dass der eine oder andere Schulhausmeister angesichts dieser Rechnung von „katastrophalen Zuständen“ spricht.

Die Herforder Schulhausmeisterinnen und Schulhausmeister haben aber eine Lösung erarbeitet. Allerdings wird dabei eines unumgänglich sein – nämlich dass die Kommune mehr Stellen schafft  und dass Teamlösungen gefunden werden. Mit neuen Stellen könnte auch ein anderer wunder Punkt angepackt werden: Denn der Altersdurchschnitt der Schulhausmeisterinnen und Schulhausmeister in Herford liegt derzeit bei fast 50 Jahren. Es gehöre zum Alltag, dass sich der eine oder andere krank meldet – das Alter fordert seinen Tribut. „Es müssen dringend mehr junge Kolleginnen und Kollegen eingestellt werden“, stellen die Schulhausmeisterinnen und Schulhausmeister im Herforder ver.di-Projekt fest. Attraktiv für die jungen Leute wäre die Stadt vor allem, wenn sie eine entsprechende Berufsausbildung anböte – nämlich den Gebäudemanager-Schule.