Personalbemessung

Wo ein Wille ist …

Stundenzahl

Personalbemessung

Landkreis Diepholz bemisst Stundenzahl für Schulsekretärinnen und Schulsekretäre völlig neu – 50 Prozent Aufstockung
Karin Böttjer ver.di Karin Böttjer

Manchmal kann es ganz schnell gehen. Und ganz problemlos. Diese Erfahrung hat Karin Böttjer gemacht, Schulsekretärin in Diepholz, Niedersachsen. Jahrelang hat sie dafür gekämpft, dass ihre Stundenzahl aufgestockt wird – weil die Arbeit Jahr um Jahr zunahm und sie einfach nicht mehr über die Runden kam. Doch alle ihre Versuche scheiterten. Nun aber ist es doch soweit. Quer durch den Landkreis bekommen die Schulsekretariate mehr Personal beziehungsweise mehr Stunden zuerkannt.
„Eigentlich waren wir bisher grundsätzlich unterbesetzt“, sagt Böttjer. Die Schulsekreträrinnen wussten das, die Schulleiter meist auch. Der Landkreis als Schulträger hörte die Klagen, doch offenbar fehlte ihm der Glaube. Jedenfalls geschah nichts. Die Stundenzahl für die Schulsekretärin, die einer Schule zugestanden wurde, wurde nach einem Gutachten der KGST (Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement) aus dem Jahr 1993 errechnet. „Diese Stunden reichten vorne und hinten nicht“, weiß Böttjer und keine ihre Kolleginnen kann ihr widersprechen. Böttjer selbst darf 28 Stunden die Woche arbeiten – trotz der 270 Schüler zu der Förderschule, in der sie tätig ist.
Doch dann bekam das Schulamt des Landkreises einen neuen Chef. Er lud die Schulsekretärinnen zu einer Dienstbesprechung. Das war vor gut einem Jahr. Was er zu hören bekam, ließ ihn die Stirn runzeln: Die Schulsekretärinnen berichteten von zu viel Arbeit, die sie in zu wenig Stunden erledigen müssen; von Überstunden, die keiner bezahlt, ohne die aber die Arbeit nicht zu schaffen ist, von Hetze, von Arbeitsverdichtung. „Meine Damen, das geht überhaupt nicht“ – soll der neue Chef konstatiert haben. Die Damen blieben skeptisch. War er vielleicht nur ein neuer Besen, der bekanntlich gut kehrt oder auch nur viel verspricht?
Doch alles nahm seinen Lauf: Eine Arbeitsgruppe wurde eingesetzt, in der vier Schulsekretärinnen saßen – eine Vertreterin für jeden Schulbereich. Als das Ergebnis  wieder auf einer Dienstbesprechung vorgestellt wurde, trauten einige ihren Ohren nicht. Jede Schule bekam Stunden dazu. Aus Teilzeitjobs wurden Vollzeitstellen. Zwei Schulsekretärinnen wollten nicht aufstocken – und bekamen eine Teilzeitkraft zur Unterstützung. Für Karin Böttjers allerdings ändert sich nichts. Zum 1. Dezember geht sie in Alterssteilzeit.
Dennoch sagt sie, „ich bin total begeistert“. Weil ihre Bemühungen Wirkung erzielten, weil letztendlich die Verwaltung einsehen musste, dass die Klagen der Schulsekretärinnen berechtigt sind. Und sie lacht, weil sie weiß, dass sie zunächst nicht wirklich daran glaubte, dass der Amtsleiter es ernst meint. „Der verspricht doch das Blaue vom Himmel“, meinten auch ihre Kolleginnen.
Auch weil die Aufstockung um 50 Prozent – und darauf läuft die Neubemessung der Stellen hinaus – den Landkreis Geld kostet. Dass die Stellen auch der Kosten wegen erstmal bis Juli 2011 befristet sind, ist ein Wermutstropfen. Doch im Grunde ist allen klar: Gänzlich zurückdrehen lässt sich die Stundenbemessung nicht.
Übrigens: Böttjer weiß jetzt auch, dass zusätzliche Stellen ganz profane Probleme, schaffen können – nämlich: Wohin kommt der Schreibtisch der Schulsekretärin, die sie seit Sommer 2010 unterstützt? Doch auch da gab es eine Lösung – und sie hieß: Eine neue Aufteilung des Raumes. Das Ergebnis: Zwei Schreibtische und mehr Platz – fast eine Quadratur des Kreises. Oder wie es Böttjer ausdrückt: Es sei wie mit der neuen Personalbemessung für Schulsekretärinnen: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“
Text: Jana Bender/Dezember 2010